Kämpfen

Sonntag, 1. April 2007

Henry Maske vs Virgin Hill, Teil 2

Verschwendete Zeit: langweilig, blutüberströmt. Da machen die Ladys bei mir im Training mehr her.

Blauer Gürtel, blaue Flecken

Geschafft: 8. Kyu in Kyokushin-Karate bestanden. Hört sich vor allem für diejenigen gut an, die nicht wissen, dass die erste Prüfung nicht der erste, sondern der 10. Kyu ist. Egal: ein blauer Gürtel steht mir besser als einer in Orange ;-) Dreieinhalb Stunden gekämpft, vor allem gegen mich selbst und mit meinen Yoko Geris. Dann zu hören bekomen, meine Prüfung sei "ordentlich" gewesen, ich hätte jedoch noch mehr geben können. Hätte ich das? Nur wenn ich mir sicher gewesen wär, dass meine Kondition dann noch über drei Stunden reicht. Anschließend Verwöhnprogramm: Sauna und Dampfbad im Prinze. Ein Genuss und nicht zu viele Kerle ;-)

Ein blauer Gürtel gegen drei blaue Flecken - für mich ist das ein sehr gutes Verhältnis.

Dienstag, 27. März 2007

Henry Maske vs Virgin Hill, Teil 1

"Wir sind im roten Bereich. Zehnte Runde: Wir klammern mehr, als dass wir boxen. Elfte Runde: Nun habe ich ihn im Griff. Ich gebe Gas. Nach eineinhalb Minuten ist der Dampf raus, ich kann kaum noch schlagen. Er ist genauso fertig. Furchtbar müde sind wir beide. Selten in meinem Leben habe ich mich dermaßen erschöpft gefühlt. Doch Hill ist es auch. [...] Noch dreißig Sekunden, noch ein paar Hände, die den Gegner erreichen. Er wankt. Lang noch mal hin, Henry. Ich treffe ihn unterm Auge - er macht keine Anstalten mehr, zu vertuschen, dass es ihm dreckig geht. Er versucht zu schlagen - Kinderhände sind das . . . Dann der Gong.

Wir wanken in unsere Ecken. Jeder hebt die Fäuste zum Himmel, tut wie ein Sieger. Doch hier ist niemand der Sieger. Wir sind zwei Männer, die alles getan und dabei jedes Fitzelchen Energie aus sich herausgepresst haben. Jetzt ist nur noch Leere in uns. [...]

Der Ring ist voll wie immer nach einem Kampf. Ich gehe auf und ab, auf und ab, ruhelos. Habe ich verloren? Ich weiß es nicht. Bin nur sicher, dass es eng war. Natürlich habe ich noch Hoffnung. Ich hatte bis zur letzten Sekunde Hoffnung. Warum soll sie jetzt weg sein? Auf und ab, auf und ab. Alle sind im Ring, die Wichtigen und die Wichtigtuer. [...] Normalerweise müsste ich im Mittelpunkt sein. Aber heute ist das anders. Das habe ich vor acht Jahren zum letzten Mal erlebt: And the winner is . . .

Ich bin der Loser. Sie springen alle von mir weg, keiner ist mehr da. Ich stehe in der Mitte des Rings und bin ganz allein. Kein Trainer neben mir, der mich - und natürlich auch sich selbst - tröstet. Keiner da! Da ist niemand. Niemand. Der andere hat gewonnen. Wir umarmen uns, zwei müde, abgekämpfte Männer. Der andere ist froh, aber seine Augen haben kein Leben. Er schlurft in Richtung Kabinen, mit dem großen Gürtel um den Bauch. "

Auszug aus dem Buch: Henry Maske/Detlef Vetten: Nur wer aufgibt, hat verloren. 281 Seiten. Ehrenwirth. 19,95 Euro.

Sonntag, 25. März 2007

Stekos Fight Night: Kickbox-WM in München

München, 11. März. Christof lädt mich ein. Als Dank, dass ich ihn zur Fußball-WM mitgenommen habe. Um 17 Uhr ist Einlass: Zenith in Freimann. Wir sind pünktlich: Christof im Anzug, ich im schwarzen Rock, mit Netzstrümpfen und hohen Stiefeln. Die Halle ist riesig, dunkel, in der Mitte der Ring, am Rand Reste der Industrie. Hinter der letzten Stuhlreihe: zwei schwarze Hummer, Werbung für einen Autovermieter. Kerle, die um sie herumstreichen, den Lack mit den Fingern berühren. Noch nichts los an der Bar. Sanitäter stehen in einer Ecke.

Ab 18 Uhr die ersten Kämpfe. Langsam füllt sich die Halle. Männer jeden Alters und auch Frauen, die entweder Bunnys sind oder - wie ich - als Bunny gehen. Die ersten Showkämpfe, zweimal zwei Minuten, packen mich. Ich erkenne Schläge und Tritte aus meinem Karatetraining wieder. Spannend zu sehen, wie das Gewicht den Kampfstil beeinflusst: Die Macht der Masse.

Christine Theiss gegen Bonnie Webb aus Großbritannien, einziger Frauenkampf des Abends. Es geht um die Europameisterschaft im Vollkontakt-Kickboxen. Christine Theiss trainiert im Münchner Kampfzentrum Steko. In der zweiten Runde hat sie einiges einstecken müssen. Dann der entscheidende Treffer mit rechts: Bonnie Webb geht zu Boden. Christine Theiss bleibt Europameisterin. Statt sich nach dem Kampf erschöpft in die Ecke oder die Arme ihres Mannes sinken zu lassen, hüpft sie auf und ab, der Siegergürtel schlackert um ihre Taille. Sie macht derzeit ihren Doktor in Medizin.

Die größte Fangemeinde hat Dominik Haslbeck, ebenfalls ein Steko-Schüler. Seine Anhänger halten Schals hoch mit der Aufschrift „The White German Bull". Klingt für mich ein bisschen nach Nazi, aber Haslbeck hat ein paar kurze Rastas, das wäscht ihn vor meinen Augen rein ;- ) Er hat einen enormen Schlag gegen Angel Alvarez, die Fans singen: „Auf geht’s Hasi, kämpfen und siegen." Er tut ihnen den Gefallen und bleibt WKA Weltmeister in der Klasse bis 79 Kilo.

Es ist spät, Christof muss los, ich will den Kampf noch zu Ende sehen. Der Weg zur U-Bahn ist dunkel. Heute bin ich unbesiegbar.

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